Allgäu

Energetische Sanierung, Waltenhofen-Oberdorf

Bauernhof "Der Ritterhof"

Wohnhaus Stube
Wohnhaus Stube
Wohnhaus Küche
Wohnhaus Küche
Wohnhaus Kinderzimmer
Wohnhaus Kinderzimmer
Wohnhaus Arbeitszimmer
Wohnhaus Arbeitszimmer
Wohnhaus Hofladen
Wohnhaus Hofladen
Ladenwohnung
Ladenwohnung
Einliegerwohnung Wiederkehr
Einliegerwohnung Wiederkehr
Einliegerwohnung Eingang
Einliegerwohnung Eingang
Einliegerwohnung Treppe
Einliegerwohnung Treppe
Einliegerwohnung DG
Einliegerwohnung DG
Einliegerwohnung Bad
Einliegerwohnung Bad
Einliegerwohnung Küchenofen
Einliegerwohnung Küchenofen

Objekt: ehemaliges Bauernhaus mit drei Wohnungen, Naturkostladen und Architekturbüro "Der Ritterhof"

Standort: 87448 Waltenhofen-Oberdorf, Niedersonthofener Straße 8

Architekt: Michael Felkner

Baujahr: um 1750

Konstruktion: Wohnhaus in Blockbauweise, ansonsten Erdgeschoß in Massivbauweise mit Ober- und Dachgeschoß in Holzständerbauweise

Heizwärmebedarf: Architekturbüro 33 kWh/m²a, Einliegerwohnung 34 kWh/m²a, Ladenwohnung xx kWh/m²a, Dachgeschoßwohnung 31 kWh/m²a

Sonstiges: Das Projekt wurde bereits auf diversen Fachkongressen vorgestellt, wurde mehrfach veröffentlicht und erhielt 2007 den KfW-Energieeffizienzpreis (1.Platz)

Im Kern ist der Wohnteil wohl an die 300 Jahre alt.

Es handelt sich um einen ehemaligen Bauernhof, der seit 1998 Stück für Stück saniert wird.

Nach dem Erwerb 1990 wurde das Haus zunächst notdürftig bewohnbar gemacht. 1998/99 wurde der Kuhstall zum ca. 140 m² großen Architekturbüro und die Heulege zum ca. 130 m² großen Naturkostladen umgebaut. Der Naturkostladen benötigt aufgrund der guten Wärmedämmung überhaupt keine Heizenergie und das Architekturbüro wird hauptsächlich über die Sonne und Wandstrahlheizflächen beheizt. Die alten feuchten Bruchsteinwände wurden über eine Bauteiltemperierung trocken gelegt. 2007 wurde im Rahmen des DENA-Modellbauvorhabens „Niedrigenergiehaus im Bestand“ die Einliegerwohnung mit 85 m² saniert. Diese besitzt eine vom Haupthaus unabhängige Energieversorgung in Form eines raumluftunabhängigen Küchenherdes mit Wärmetauscher, Solaranlage, Pufferspeicher und Wandstrahlheizflächen. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung reduziert die Lüftungswärmeverluste um 90 %, sodaß die Heizenergie- und Warmwasserkosten bei 200 € pro Jahr liegen.

Der Naturkostladen wurde inzwischen verkleinert und als Hofladen in den renovierten Hausgang verlegt. Die frei gewordenen Flächen wurden zu einer rollstuhlgerechten Wohnung mit drei Schafzimmern, behindertengerechtem Bad und großzügigen Wohnbereich umgebaut. Auch hier sorgt neben der mit Lehm verputzten Wandstrahlheizung ein Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung für angenehmes Raumklima.

Parallel dazu wurde in den letzten 10 Jahren auch das 260 m² große Wohnhaus Stück für Stück saniert. Damit das äußere Erscheinungsbild mit den verschindelten bzw. verputzten Blockwänden erhalten bleibt wurde hier Innendämmung in Kombination mit Wandstrahlheizung eingebaut. Die ersten Einfachfenster wurden bereits vor knapp 20 Jahren ausgetauscht – damals noch als 2-fach verglaste Sprossenfenster in Lärche. Die letzten ausgetauschten Fenster sind 3-fach verglast, ohne daß man einen optischen Unterschied feststellen kann. Als Besonderheit kamen hier bei der Innendämmung Flachs- und Holzfaserdämmstoffe mit einer ansonsten nicht üblichen Dicke von 200 mm zum Einsatz – das ist bauphysikalisch nur in Kombination mit der Wandstrahlheizung möglich. Die Holzbalken der Decken über dem Naturkeller wurden freigelegt, verstärkt und mit einem neuen Fehlboden mit traditionellem Lehmschlag versehen, darauf Hobelspandämmung, Holzfaserdämmplatte und 45 mm Massivholz-Dielenboden.

Die ungewöhnlich große Solaranlage mit 40 m² wird ergänzt durch einen ebenso ungewöhnlich großen Pufferspeicher mit 4850 Liter Fassungsvermögen. Dieser entstand aus einem umgebauten Gastank, der an der Nordfassade aufgestellt, eingehaust und zusammen mit dieser mit Zellulose wärmegedämmt wurde – die Fassade mit 240 bis 270, dazu 20 mm Holzfaser und noch einmal 60 mm Flachs auf der Innenseite, der Speicher mit 350 bis 550 mm Zellulose. Ergänzt wird das System durch einen Stückholzkessel.

Nun steht der Ausbau des Dachgeschoßes an. Außenwand- und Dachflächen werden hier mit 280 bzw. 340 mm Zellulose, teilweise sogar mit bis zu 500 mm gedämmt. Die Fenster werden annähernd Passivhaus-Standard aufweisen. Auch hier werden die Wände mit Lehm verputzt. Nur einige wenige Flächen erhalten eine Wandstrahlheizung, denn auch hier sorgt ein Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung für um 90 % reduzierte Lüftungswärmeverluste. In diesem Zug wird der 20 Jahre alte Stückholzkessel durch einen modernen Pellets-Brennwertkessel ersetzt werden.

Seit vielen Jahren schon liefert eine große PV-Anlage auf der südlichen Dachhälfte Strom – mehr als das Haus verbraucht. So kann das Haus denn auch als klimaneutral bezeichnet werden.

Energiebedarf:

Hauptwohnung             260 m²              70 kWh/m²a

Einliegerwohnung           85 m²             34 kWh/m²a

Ladenwohnung             123 m²              51 kWh/m²a

Dachgeschoßwohnung 187 m²              31 kWh/m²a

Architekturbüro             140 m²              33 kWh/m²a

Gesamt                        795 m²

Folgende eza!-Partner waren an dem Projekt beteiligt: