Allgäu

Energetische und altersgerechte Sanierung Bauernhaus, Waltenhofen

Bauernhaus mit Hauptwohnung und Einliegerwohnung im ehemaligen Kuhstall

vor der Sanierung
vor der Sanierung
vor der Sanierung
vor der Sanierung
Schindelfassade vor der Sanierung
Schindelfassade vor der Sanierung

Standort: 87448 Waltenhofen
Objekttyp: Bauernhaus 
Architekt: Architekturbüro Michael Felkner

Projektbeschreibung: Sanierung unter energetischen und ökologischen Gesichtspunkten, Naturbaustoffe, Innen- und Außendämmung, Pellets-Brennwertkessel mit Solaranlage und Pufferspeicher

Sanierungszeitraum: 4/2017 bis 12/2017

Konstruktion: Bauernhaus in Holzblockbauweise, Kuhstall in Ziegel- und Bruchsteinmauerwerk

Kurzbeschreibung der durchgeführten Maßnahmen: Komplette Wärmedämmung der Gebäudehülle, neue Fenster, Schindelfassade, Grundrisse und Bäder altersgerecht gestaltet

Energiebezugsfläche/Wohnfläche: 793 m³ bzw. 313 m²

Heizwärmebedarf: 43,5 kWh/m²a

Primärenergiebedarf: 13000 kWh/a

Ökologische Aspekte: Auswahl sämtlicher Baustoffe nach ökologischen Aspekten, gezielte Verwendung von heimischem ökologischen Baumaterialien aus der Region , Verzicht auf Oberflächenbehandlungen, energieeffiziente Haustechnik

Sonstiges: Die Durchführung des Bauvorhabens konnte nur deswegen so gut gelingen weil die über 1000 km entfernt wohnende Bauherrin sich voll und ganz auf unsere Kompetenz verlassen konnte - sie war während der gesamten Bauzeit nur 2 x auf der Baustelle

Kundenstimme: "Selbstverständlich bin ich damit einverstanden,  wenn Sie bei diesem Hausbesichtigungstag der eza mein Haus zeigen. Ich habe zwar nicht sehr viel zu dem Projekt beigetragen, aber ich bin dennoch sehr stolz! Aus demselben Grund freut es mich auch sehr, wenn Sie einen Artikel in der Zeitschrift des Heimatvereins über das Projekt veröffentlichen!" Fam. Zettler

Projektzusammenfassung/Geschichte:Leistungen: LPH 1-8 HOAI, Bestandsaufnahme, EnEV-Berechnungen, Dampfdiffusionsberechnungen, Energiekonzept, Finanzierungskonzept
Planung: ab 12/2015
Realisierung: 04/2017 bis 12/2017
Daten: Beheiztes Volumen 792,7 m³, Gebäudenutzfläche 312,9 m²
Energiestandard: KfW Effizienzhaus Denkmal bzw. 85, Primärenergiebedarf 41,7 kWh/m²a, Heizenergiebedarf 44 kWh/m²a

Ausgangslage: Das ehemalige Bauernhaus wurde 1836 von den Vorfahren der heutigen Eigentümerin errichtet. Es handelt sich um eine für die Entstehungszeit typische Anlage, welche die letzten 180 Jahre nahezu unverändert überstanden hat. An das zweigeschossige, mit dem Giebel nach Osten ausgerichtete Wohnhaus schließt sich der Wirtschaftsteil als Querbau mit einem Wiederkehr jeweils nach Süden und Norden an. Der direkt an das Wohnhaus angrenzende Stall ist in Mauerwerk errichtet, die daran angrenzende Futtertenne und die Heulege in Holzverschalter Holzständerbauweise. Die Tenne wird über eine Hocheinfahrt von Norden erschlossen. Aufgrund der leichten Hanglage ist die östliche Hälfte des Wohnhauses unterkellert. Die Außenwände bestehen aus Bruchsteinmauerwerk, die Böden sind gepflastert bzw. betoniert. Die nördliche Kelleraußenwand wurde vor einigen Jahren in Betonsteinmauerwerk erneuert. Die Holzbalkendecke über dem nördlichen Kellerraum ist durch Holzschädlinge und Feuchtigkeit geschädigt und nur noch eingeschränkt tragfähig. Das Mittelganghaus ist in Holzblockbauweise errichtet. Die Fassaden sind verschindelt, die Wagnerfenster stammen aus den 60er Jahren. Das Giebeldreieck der Ostfassade besteht aus Riegelwerk und ist mit einer Leistenschalung verkleidet. Hier sind noch zwei der ursprünglichen Galgenfenster erhalten. Die Schindelfassade auf der Südseite ist erneuerungsbedürftig. Die Wagnerfenster haben ihre technische Lebensdauer fast erreicht. Die Wände und Decken der einzelnen Räume sind innen mit einem Kalk-Lehmgemisch verputzt. In der Stube gibt es noch ein Brüstungstäfer und einen alten Kachelofen. Die alten Füllungstüren sind fast alle erhalten, ebenso ein Teil alten Dielenböden. Auf der Nordseite angrenzend an den ehemaligen Kuhstall befindet sich der Hofeingang, daran anschließend ein veralteter Bad/WC/Garderobeneinbau aus den 60er Jahren. In diesem Haus gibt es noch keine zentrale Heizungsanlage. Geheizt wurden die Küche mit dem klassischen Küchenholzherd und die Stube mit dem von der Küche aus befeuerten Kachelofen. Die übrigen Räume haben zwar einen Kaminanschluss, wurden aber zuletzt nicht oder nur über Stromradiatoren beheizt. Die Warmwasserbereitung erfolgt dezentral elektrisch. Das Gebäude ist an die öffentliche Trinkwasserversorgung und an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen. Die Eltern der jetzigen Eigentümerin als letzte Bewohner sind vor kurzem verstorben. Das Haus ist momentan unbewohnt. Das Haus soll in Familienbesitz bleiben und in einen vermietungsfähigen Zustand gebracht werden. Die Eigentümerin lebt z.Zt. in Norddeutschland und hält sich 3 bis 4 Mal im Jahr zu Besuch im Allgäu auf. Ergänzt wird das Anwesen durch ein vermietetes Austragshaus aus den 70er Jahren sowie kleinere Nebengebäude.


Konzept: Das prägnante Erscheinungsbild dieses Anwesens führte dazu, daß es in vielen Büchern und Kalendern über das Allgäu abgebildet wurde. Dies nahmen wir als Architekten zum Anlaß, das Gebäude im Einvernehmen mit der Bauherrin und der Gemeinde fördertechnisch betrachtet als „besonders erhaltenswerte Bausubstanz“ einzustufen, zumal es der Bauherrin tatsächlich ein ganz wichtiges Anliegen war, das Erscheinungsbild ihres Familienbesitzes zu bewahren. Dies führte dazu, daß nicht nur die energetische Sanierung und altersgerechte Gestaltung des Wohnhauses, sondern auch der Einbau einer zusätzlichen Einliegerwohnung in den ehemaligen Kuhstall von der KfW gefördert wurden. Um das Gebäude in einen normal vermietungsfähigen Zustand zu bringen wurden der Einbau einer Zentralheizungsanlage, bestehend aus einem Holzpelletskessel mit Brennwerttechnik, Pufferspeicher und Solaranlage geplant. Die Wärmeübertragung erfolgt im Bauernhaus über Heizkörper, in der Einliegerwohnung über Fußbodenheizung. Die neuen Bäder wurden rollstuhlgerecht gestaltet. Um die Proportionen der Fassade mit den Dachvorsprüngen zu erhalten wurden die Fassaden des Bauernhauses „nur“ mit ca. 22 bis 25 cm Zellulose und Holzfaser gedämmt. Die alte Schindelfassade wurde durch neue Allgäuer Rundschindeln in Lärche ersetzt, ebenso wurden die Wagnerfenster durch dreifach verglaste Fenster mit der ursprünglichen Sprossenteilung samt Läden und Laibungsfutter innen und außen erneuert – ebenfalls in unbehandelter Lärche. Die Decken und Wände zu den nicht ausgebauten Gebäudeteilen wurden mit 28 bis fast 40 cm Zellulose wärmegedämmt, die Kellerdecken mit 14 cm Hobelspänen. Als Besonderheit wurde das Sichtziegelmauerwerk des Kuhstalls erhalten und innenseitig mit 10 cm Kalziumsilikatplatten gedämmt. Im Wohnhaus wurden die alten Füllungstüren, die Wandtäfer, die Dielenböden und die Kalkputzoberflächen erhalten. So etwas kann nur durch eine umsichtige Planung gelingen. Dies bedeutet z.B., daß die Verrohrung der Heizkörper und die Zuleitungen zu den Steckdosen in einem hölzernen Sockelleistenkanal versteckt wurden. Die wenigen notwendigen sonstigen Elektroleitungen wurden stilgerecht als Aufputzinstallation ausgeführt. Es wurde also keine einzige Wand wegen irgendwelchen Installationen aufgeschlitzt. Aus schallschutztechnischen Gründen gibt es im Wohnhaus eine große Wohnung ohne zusätzlichen Dachgeschoßausbau, zumal eine ältere vorhandene PV-Anlage eine vernünftige Belichtung erschweren würde. In die landwirtschaftlichen Gebäudeteile können später noch weitere Wohnungen eingebaut werden.

Sonstiges: Die Umbau- und Sanierungskosten wurden ausschließlich über die KfW-Darlehen Energetisch Sanieren und Altersgerecht Umbauen – in der Summe 300.000,- € Darlehen finanziert, wobei Zins und Tilgung durch die Vermietung zur Gänze abgedeckt werden. Angesichts des erreichten energetischen und gestalterischen Standards stellt dies eine ungewöhnliche Leistung dar. Ungewöhnlich ist auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Bauherrin und Architekt, denn die Bauherrin wohnt über 1000 km entfernt ganz im Norden Deutschlands und war während der gesamten Bauzeit lediglich 2x auf der Baustelle.

Folgende eza!-Partner waren an dem Projekt beteiligt: