die wichtigsten fragen vom lesertelefon zu sanierungen

Riesenandrang herrschte am Lesertelefon „Bauen, Sanieren, Energie“ der Allgäuer Zeitung Ende Januar. Mancher benötigte eineinhalb Stunden, um zu unseren Experten vorzudringen, viele kamen leider gar nicht durch. Deshalb hier die typische Fragen und Antworten aus Originaltexten aus der Allgäuer Zeitung - vielen Dank an den Autor Winfried Züfle.

Ich plane, ein 60 Jahre altes Haus zu sanieren. Dach, Fassade, Fenster – wo fange ich am besten an?

Eza: Am besten ist, wenn Sie zuerst  ein Gesamtkonzept erarbeiten. Dafür brauchen Sie professionelle Hilfe, einen Architekten oder einen Energieberater. Danach können Sie die im Gesamtkonzept beschriebenen Einzelmaßnahmen entweder auf einmal oder nach und nach realisieren. Der Architekt oder der Berater kostet Sie zwar etwas, aber er bringt Ihnen auch Vorteile beim richtigen Umgang mit den Förderprogrammen und bei der Vergabe der Aufträge. 

 

Ist es sinnvoll, an meinem Altbau dreifachverglaste Fenster einzubauen, und die Fassade erst später zu dämmen?

Eza: Dreifachverglasung ist sinnvoll und Stand der Technik. Aber wir empfehlen, die Gebäudehülle auf einmal zu sanieren. Werden nur die Fenster erneuert, ist der kälteste Punkt in den Räumen nicht mehr am Fenster, sondern irgendwo an der Wand. Wenn Sie Ihr Lüftungsverhalten nicht umstellen – Sie sollten mehrfach täglich gründlich stoßlüften – , laufen Sie Gefahr, ein Schimmelproblem zu bekommen. Diese Gefahr besteht nicht in diesem Ausmaß, wenn Wärmedämmung und neue Fenster gleichzeitig eingebaut werden. Aber auch in diesem Fall müssen Sie für gute Lüftung sorgen, am besten durch eine automatische Komfortlüftung. 

 

Kann ich mit einem Feuchtigkeitsmesser (Hygrometer) den Lüftungsbedarf feststellen?

Eza: Das funktioniert in der Tat. Die Raumfeuchte darf nicht über 60 Prozent steigen. Wir empfehlen jedoch, den Wert von 40 Prozent nicht zu überschreiten – dann hat man noch eine Reserve. Wenn ein kritischer Wert erreicht ist, müssen Sie die Raumfeuchte durch den Austausch der Zimmerluft mit Frischluft wieder senken. Eine automatische Lüftung könnte Ihnen das aber abnehmen. 

 

Ich habe an meinem Altbau verschiedene Sanierungsschritte bereits verwirklicht. Bekomme ich dafür noch Zuschüsse?

Eza: Leider nein. Für zinsvergünstigte Kredite und Zuschüsse der KfW-Bank muss der Förderantrag gestellt werden, ehe die Aufträge vergeben werden. Anders ist es bei Zuschüssen für Sonnenkollektoren, Wärmepumpen, Holzpellet- und Hackschnitzelheizungen. Da muss man erst bestellen und dann die Rechnung an die Bundesbehörde Bafa einschicken.  

 

Gibt es dieses Jahr wieder Geld für Einzelmaßnahmen wie zum Beispiel die Fenstererneurung?

Eza: Erfreulicherweise werden ab März wieder Einzelmaßnahmen durch die KfW gefördert. Im vergangenen Jahr hatte es das schon einmal gegeben, aber das Programm lief aus. Sie müssen aber eine Neuerung beachten: Die Angemessenheit der Maßnahme muss durch einen Sachverständigen (z.B. ein Handwerker oder Ingenieur mit der Berechtigung, einen Energieausweis auszustellen) bestätigt werden. Der Zuschuss beträgt fünf Prozent der förderfähigen Kosten, maximal 2500 Euro pro Wohneinheit. Er kann direkt bei der KfW beantragt werden. Aber die Investitonskosten müssen mindestes 6000 Euro betragen, da Zuschüsse erst ab einer Höhe von 300 Euro ausbezahlt werden. Bargeld wird aber nur für höchstens zwei Wohnungen ausgezahlt. Für Einzelmaßnahmen an größeren Objekten gibt es günstige Kredite, die bei der Hausbank beantragt werden müssen. 

 

Ist bei der Vergabe der Fördermittel durch die KfW künftig mit einer Lockerung der Kriterien zu rechnen?

Eza: Im Gegenteil, die Ansprüche werden in Zukunft weiter steigen. Im Jahr 2013 soll es eine neue Energieeinsparverordnung (EnEV) geben, in der die Anforderungen an Neubauten um 30 Prozent verschärft werden. Man wird  davon ausgehen können, dass ab 2020 der Passivhausstandard die Norm sein wird. 

 

Derzeit benötige ich für die Beheizung meines Altbaus 17 Liter Öl pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr. Lohnt es sich, bei der Sanierung heute schon auf den Passivhausstandard zu gehen?

Eza: Aus unserer Sicht auf jeden Fall. Sie haben einen sehr hohen Ölverbrauch. Neue Häuer brauchen heute weniger als umgerechnet fünf Liter Öl, ein Passivhaus sogar nur 1,5 Liter. Sie sparen also mehr als 80 Prozent Energie ein. Langfristig müssen sie davon ausgehen, dass Energie eher teurer als billiger wird.

 

Ich möchte meine 30 Jahre alte Heizung erneuern und dann mein Haus sanieren. Welche Heiztechnik empfehlen Sie?

Eza: Wir empfehlen dringend, umgekehrt vorzugehen: Erst das Haus sanieren, und dann die Heizung erneuern! Die günstigste Kilowattstunde Wärme ist nämlich diejenige, die sie nicht erzeugen müssen. Die Heizung für ein wärmegedämmtes Haus kann viel kleiner dimensioniert sein. Wenn Sie den Passivhausstandard realisieren, sind zum Beispiel eine Holzpelletheizung oder eine Wärmepumpe eine gute Lösung.

 

Ich bin schon Rentner und möchte nicht viel Geld in die Erneuerung meiner Ölheizung investieren. Was raten Sie mir für den Fall, dass der Brenner kaputtgeht?

Eza: Dann können Sie einen Blaubrenner einbauen, der verbrennt das Öl viel effizienter. Übrigens bringt es auch etwas, wenn Sie an der alten Heizanlage nur die Umwälzpumpe gegen eine so genannte Hocheffizienzpumpe austauschen lassen. Die neue Pumpe braucht 80 Prozent weniger Strom, sie sehen das deutlich auf ihrer Stromrechnung. Am besten wäre es jedoch, wenn sie die alte Anlage durch einen Ölbrennwertkessel ersetzen. Der senkt in Ihrem Fall den Ölverbrauch um mindestens 20 Prozent. Noch ein Tipp: Verwenden Sie schwefelarmes Heizöl, das gibt es inzwischen  zum gleichen Preis wie das herkömmliche Heizöl. 

 

Lohnt sich ein Blockheizkraftwerk für mein Einfamilienhaus?

Eza: Wahrscheinlich nicht. Blockheizkraftwerke sind vor allem dann rentabel, wenn sie es auf eine hohe Laufleistung bringen, und nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer benötigt werden. Das ist bei einem Einfamilienhaus eher nicht der Fall. 

 

Wird die Nutzung von Solarwärme gefördert? 

Eza: Es gibt Fördermittel des BAFA  (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle)unter zwei Bedingungen: Die Anlagen müssen auf Heizungsunterstützung ausgelegt sein, und es darf sich nicht um einen Neubau handeln. Bei neuen Häusern ist die Nutzung erneuerbarer Energien inzwischen Pflicht, deswegen gibt es dafür keine Zuschüsse mehr. 

 

Was halten Sie von Stromdirektheizungen?

Eza: Das empfehlen wir nicht, auch wenn dafür viel Werbung gemacht wird. Strom ist zu schade zum Verheizen, außerdem ist der Betrieb der Öfen zu teuer.

Manuel Allgaier

Dipl. Betriebswirt (FH)
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