Allgäu
25. Juni 2021

Fakten zu den Umwelteffekten der Elektromobilität

Politik und Autoindustrie setzen zunehmend auf Elektromobilität. So fördert der Staat den Kauf eines Elektroautos mit bis zu 9.000 Euro. Zudem wird die Ladeinfrastruktur ausgebaut. Die Autobauer ihrerseits bieten immer mehr E-Modelle an. Deren Absatz ist deutlich gestiegen. Experten sind sich einig, dass im Pkw-Bereich dem klimafreundlichen Elektroantrieb die Zukunft gehört. Aber es gibt auch kritische Stimmen, die insbesondere auf die Umweltbelastung bei der Batterieproduktion hinweisen.

Batterie-Herstellung ist energieaufwändig

Richtig ist, dass die Herstellung von Batterien für Elektroautos relativ energieaufwändig ist. So ist rein rechnerisch die Kohlendioxid-Emission beim Bau eines Elektroautos samt Batterie rund zweieinhalbmal höher als bei der Produktion eines PKWs mit Verbrennungsmotor. Allerdings sieht die Treibhausgas-Bilanz ganz anders aus, wenn die Hersteller der E-Autos und der Batterien Ökostrom nutzen. Und wenn dann später im Alltag die Batterie mit Hilfe erneuerbarer Energien geladen und damit im laufenden Betrieb kein klimaschädliches Treibhausgas freigesetzt wird, hat sich der „CO2-Rucksack“ aus der Produktion schon recht bald amortisiert – im besten Fall nach circa 11.000 Kilometern. Bei ungünstigen Rahmenbedingungen zieht der Stromer in Sachen CO2-Bilanz nach rund 30.000 Kilometern am Verbrenner vorbei.

Lebensdauer von mindestens 300.000 Kilometern

Letzteres schafft die Batterie eines modernen E-Autos locker. Fachleute gehen inzwischen von einer Lebensdauer von mindestens 300.000 Kilometer aus – länger als die Karosserie. Anschließend erreicht die Batterie nur noch 75 bis 85 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität – zu wenig für die E-Mobilität, aber voll ausreichend für die sogenannte „Second-Life“-Anwendung, zum Beispiel als Hausspeicher. Ab einem Leistungsabfall auf 40 Prozent ist eine Nutzung nicht mehr sinnvoll. Aber selbst dann landet die Batterie nicht im Sondermüll. Zahlreiche Stoffe können wiederverwendet werden – aktuell rund 60 bis 70 Prozent, in naher Zukunft bis zu 95 Prozent bei gängigen Lithium-Ionen-Akkus. Angesichts steigender Rohstoffpreise wird sich die Recycling-Quote weiter erhöhen.

Genügend Rohstoffe vorhanden

Wichtig in diesem Zusammenhang: Studien kommen zu dem Ergebnis, dass für die Umstellung auf Elektromobilität genügend Rohstoffe zur Verfügung stehen. Insbesondere die Lithium-Förderung in Chile und Bolivien ist jedoch wegen der dabei entstehenden Wasser- und Luftverschmutzung in die Kritik geraten. Tatsächlich gibt es hier Missstände. Allerdings stammen heute schon 60 Prozent des für die Batterien-Herstellung nötigen Lithiums aus australischen Bergbau-Minen. Hier wird untertage der Rohstoff weitgehend ohne negative Auswirkung für die Umwelt gewonnen. Übrigens: auch in Deutschland gibt es umfangreiche Lithium-Vorkommen, die untertage abgebaut werden könnten.

Verzicht auf Kobalt

Ebenfalls in der Kritik steht die Kobalt-Gewinnung – vor allem im Kongo, wo häufig Kinder für die Arbeiten unter unzureichenden Schutzmaßnahmen eingesetzt werden. Allerdings lässt sich der Kobalt-Anteil der Batterien verringern. Es gibt heute bereits Batterien, die ganz ohne Kobalt auskommen. Was bei der Diskussion um die negativen Folgen bei der Rohstoffgewinnung für die Batterieproduktion nicht vergessen werden darf: Im Vergleich zur Erdölgewinnung erscheint die Rohstoffgewinnung für die Batterieherstellung deutlich umweltverträglicher und gesellschaftlich unproblematischer. Die Umweltschäden bei der Ölförderung sind gewaltig, angefangen von zahllosen Öltanker-Havarien und Unfällen auf Förderplattformen bis hin zur Grundwasserverseuchung durch Fracking und kriegerischen Auseinandersetzungen um Ölvorkommen im Nahen Osten.

Weniger Stickoxide und Feinstaub

Ein weiterer Punkt, der für Elektroautos spricht: Verbrennungsmotoren weisen nicht nur bei CO2 über den gesamten Lebenszyklus gesehen 70 bis 90 Prozent höhere Emissionen auf, sondern haben auch bei den gesundheitsschädlichen Stickoxiden und bei Feinstaub eine wesentlich schlechtere Umweltbilanz als Elektromotoren. Elektrofahrzeuge sind damit deutlich effizienter und sauberer.

Mehr Ökostrom für die E-Mobilität

Wie bereits erwähnt, ist die Umweltbilanz am besten, wenn das Elektrofahrzeug mit Strom aus erneuerbaren Energien geladen wird. Aber gibt es überhaupt ausreichend Ökostrom für die Umstellung auf Elektromobilität? Würden alle Autos in Deutschland elektrisch angetrieben, würde der Strombedarf um circa 25 Prozent steigen. Durch den Ausbau erneuerbarer Energien bei einem gleichzeitig effizienteren Umgang mit dem Strom ist der Umstieg auf Elektromobilität auf jeden Fall zu schaffen, lautet die Expertenmeinung.

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