Allgäu
10. Dezember 2020

Reparieren statt wegwerfen - mehr Nachhaltigkeit im Alltag

Auf den Weihnachts-Wunschlisten sind häufig Elektrogeräte zu finden. Wer in diesen Tagen noch derartige Geschenke besorgen will (oder muss), sollte einen Kaufaspekt berücksichtigen, der leider häufig zu kurz kommt: kann das Produkt auch repariert werden?

Reparieren häufig nicht mehr möglich

Verklebte Gehäuse, festverbaute Akkus, überteuerte Ersatzteile oder fehlende Reparaturanleitungen – das sind nur einige der Gründe, warum viele Elektrogeräte schon bei kleinen Defekten, die eigentlich einfach zu reparieren wären, gleich weggeworfen werden. Bei vielen Geräten ist eine Reparatur gar nicht erst möglich oder sie ist viel zu teuer.

Dabei ist es aus ökologischer Sicht in den allermeisten Fällen besser, defekte Geräte reparieren und sie so lange wie möglich zu nutzen. Ausnahmen sind sehr alte Kühl- oder Eisschränke, Waschmaschinen oder Trockner der Energieeffizienzklasse B oder schlechter. Diese sollten durch neue A+++-Modelle ersetzt werden, auch wenn sie noch funktionieren.

So erkennt man reparaturfreundliche Produkte

Stellt sich die Frage, wie man reparaturfreundliche Produkte überhaupt erkennen kann? Zuallererst indem man einen Blick auf das Gehäuse wirft. Elektrogeräte sollten mit herausdrehbaren Schrauben verschlossen sein. Wichtig ist auch, dass Akkus und empfindliche Bauteile leicht austauschbar sind. Eine weiterer Tipp: beim Händler oder direkt beim Hersteller nachfragen, ob und wie lange Ersatzteile für das Produkt verfügbar sind.

Langlebigkeit hat seinen Preis

Die Testberichte der Stiftung Warentest und Produkte, die das Umweltzeichen „Blauer Engel“ tragen, geben oft Hinweise darauf, wie lange Geräte halten und ob sie gut zu reparieren sind. Im Allgemeinen gilt: Langlebigkeit hat seinen Preis – auch wenn natürlich nicht zwangsläufig das teurere Modell länger seinen Dienst verrichtet. Aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist höher.

EU-Parlamentarier für Kennzeichnungssystem

Die gute Nachricht für Konsumenten: Erst kürzlich hat das EU-Parlament einen Bericht verabschiedet, mit dem die Entwicklung von Gesetzen vorangetrieben werden sollen, die für eine längere Lebensdauer von Produkten wie Smartphones und Laptops sorgen. Die Mehrheit der EU-Parlamentarier befürwortet auch ein verbindliches Kennzeichnungssystem, um Verbraucher über die Reparierfreundlichkeit von Produkten zu informieren.

Hilfe in Repair-Cafés

Als Reaktion auf unsere Wegwerfgesellschaft gibt es mittlerweile in immer mehr Städten und Gemeinden sogenannte „Repair Cafés“, so auch in unserer Region. Im Internet findet man unter www.reparatur-initiativen.de

eine Karte mit den Standorten solcher Repair Cafés. Hier helfen Freiwillige anderen Menschen, defekte Geräte zu reparieren und vor der Mülltonne zu retten. Auf diese Weise soll auch verhindert werden, dass die fürs Reparieren nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten verloren gehen.

Gebrauchtwarenkaufhäuser

Ebenfalls lobenswert sind Initiativen seitens der Abfallwirtschaft, die auf eine Wieder- oder Weiterverwendung von aussortierten Geräten, Möbeln oder anderen Dingen abzielt. So betreibt beispielsweise der Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten (ZAK) mehrere Gebrauchtwarengeschäfte, in Kempten zum Beispiel ein Gebrauchtwarenkaufhaus. Auf diese Weise konnten allein im ZAK-Gebiet von 2018 bis 2019 150 Tonnen „Sperrmüll“ eingespart werden. Wobei in diesem Zusammenhang betont werden muss: Es handelt sich nicht um Müll oder Schrott, den andere loswerden wollen, sondern um Produkte, die nicht mehr benötigt werden und die noch in einem guten Zustand sind. Wer hier einkauft, handelt nachhaltig.

 Ein anderes Beispiel ist das SozialKaufhaus Augsburg, ein gemeinnütziges Projekt der Arbeitshilfe 2000. In zwei Gebrauchtwarenkaufhäusern – eines im Stadtteil Oberhausen, das andere in Lechhausen – werden gebrauchte Möbel, Kleidung, Haushaltswaren angeboten, die mit dem Ziel der Wiederverwendung von den ehemaligen Besitzern gespendet wurden.

Adressen mit Reparaturbetrieben

Auch erwähnenswert im Sinne der Nachhaltigkeit ist der virtuelle Marktplatz, den der ZAK auf seiner Homepage (www.zak-kempten.de/re-use.html) anbietet. Dort findet man unter anderem die Adressen und Kontaktdaten von Betrieben im ZAK-Verbandsgebiet, die noch Reparaturen vornehmen – sei es an Fahrrädern, Elektrogeräten, Smartphones, Fotoapparaten, Schuhen oder Kleidung.

Weitere Energietipps

Das Foto zeigt eine kaputtes Handy, das repariert werden muss