Wohngebäude Sanierung

Mehrgenerationenhaus in Heimenkirch

Wohnraum gschafft - BONUS Wohnraum

Hier finden Sie das Video auf Youtube zum Mehrgenerationenprojekt.

Die Aktion "Wohnraum gschafft" ist Teil des Projekts BONUS Wohnraum und wird gefördert durch das INTERREG Programm Bayern-Österreich 2021-2027, ein Programm der Europäischen Union.

 

Bei den Übelhör-Schöndorfers ist richtig Leben im Haus – kein Wunder bei vier Kindern, von denen das älteste gerade mal fünf Jahre alt ist. Käthe, Fritzi, Mathilda und Romy flitzen die Treppe runter in den Bullerbü-Garten. Demnächst kommt noch eine weitere Mitbewohnerin oder ein weiterer Mitbewohner dazu. Matthias Übelhör und seine Frau Sandra erwarten Nachwuchs. „Für die Kinder ist das natürlich ein Traum, da ist immer was los“, meint Julian Schöndorfer, der Bruder von Matthias, der mit seiner Frau Pauline und den drei Töchtern ganz oben wohnt. „Aber für die Eltern auch“, fügt Matthias mit einem Schmunzeln hinzu. Eine spontane Einladung am Abend? Anders als für viele jungen Familien meist kein Problem. Einfach schnell Babyphone nach oben oder unter bringen und los geht’s.

Acht Jahre ist es jetzt her, dass die beiden Brüder das Haus ihrer Großmutter mit viel Aufwand saniert und erweitert haben – sie haben es noch keine Minute bereut. Ihre Oma wohnte damals alleine in dem über 150 Jahre alten Gebäude. „Es gab einen echten Sanierungsstau“, berichtet Julian Schöndorfer auf einer der beiden Terrasse, die im Rahmen des Umbaus entstanden sind. „Wir hatten richtig Lust, was aus dem Haus zu machen“, erinnert er sich an die Zeit zurück.

Wertvolle Hilfe leistete dabei das Planungsbüros Herz & Lang, das aufs energieeffiziente Bauen und Sanieren spezialisiert ist und das passende Sanierungskonzept entwickelte. Aus vormals zwei wurden drei attraktive Wohneinheiten mit viel Charme. Die beiden oberen bieten genügend Platz für jeweils eine Familie mit Kindern. Möglich wurde das durch einen Anbau auf der Rückseite des Gebäudes über zwei Stockwerke. Dadurch konnte auch das Hochparterre, das vormals als Keller diente, zu einer barrierefreien Wohnung umgenutzt werden. Die oberste Wohnung wiederum profitierte vom Ausbau des Dachgeschosses im Rahmen des Dachsanierung, wo unter anderem ein lichtdurchfluteter Wohn- und Essbereich entstand.

Rein äußerlich verwandelten die Brüder in viel Eigenleistung den grauen, unansehnlich geworden Altbau in ein echtes Schmuckstück mit Schindelfassade und dicker Dämmung darunter. Das Haus bekam zudem neue dreifach verglaste Fenster und eine moderne Scheitholz-Pellet-Heizung. Zudem wurde eine Komfort-Lüftungsanlage eingebaut, die für ein gutes Raumklima sorgt.

„Die Umbauphase war schon heftig“, meint Matthias Übelhör, der als Projektmanager bei einem IT-Unternehmen arbeitet. „Gleichzeitig war es eine willkommene Abwechslung zu unseren Bürojobs“, betont sein Bruder Julian, seines Zeichens Leiter Qualitätssicherung bei einem mittelständischen Unternehmen in der Region. „Unsere Oma hat auch einiges mitgemacht. Sie wohnte während des gesamten Umbaus im Haus und hat uns auf der Baustelle immer mit einer Brotzeit versorgt.“

Nach Abschluss der Arbeiten lebten die Großmutter und ihre Enkel unter einem Dach, sie in der neuen barrierefreien Wohnung unten, Julian und Matthias darüber. Wegen der fortschreitenden Demenz benötigte die Oma bis zu ihrem Tod – inzwischen ist Vater Michael in die Erdgeschosswohnung eingezogen – mehr und mehr Hilfe. „Da konnten wir für sie da sein“, meint Matthias. „Und auch jetzt mit den Kindern ist es einfach super, dass unsere Familien in einem Haus wohnen.“ So könne man sich in vielen Situationen gegenseitig unterstützen: ob beim Babysitten, beim Einkauf oder bei der Gartenarbeit. In wirtschaftlicher Hinsicht ergebe sich ebenfalls ein Mehrwert, so Julian Schöndorfer. „Hätte jeder von uns ein eigenes Haus, bräuchten wir beispielsweise nicht einen, sondern drei Rasenmäher.“

Und da ist ja auch noch die soziale Komponente. Einfach mal nach Feierabend zusammensitzen, reden und vielleicht ein Bierchen dazu trinken – die Brüder können das Konzept Mehrgenerationenhaus in jeder Hinsicht nur weiterempfehlen.

 

Wohnraum gschafft - Neue Serie

Dämmen, beim Heizen auf erneuerbare Energie umsteigen, Solarstrom Marke Eigenproduktion nutzen – damit lassen sich der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen dauerhaft senken. Jenseits der Energieeffizienz wird aber die stetig steigende Wohnfläche pro Kopf immer mehr zur Belastung, gehen damit ein höherer Treibhausgasausstoß und eine zunehmende Wohnungsnot samt steigender Wohnungspreise einher. Mit der Serie „Wohnraum gschafft“ möchte die Allgäuer Zeitung in Zusammenarbeit mit dem Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!) Projekte vorstellen, die zeigen, wie sich Bestandsgebäude optimal nutzen und zusätzlicher Wohnraum schaffen lassen. Wir suchen für die Berichterstattung weitere Projekte – egal ob Mehrgenerationen-Wohnen, ein Haus, das geteilt wurde und anschließend zwei Wohnungen bietet, ein Anbau oder eine Aufstockung, wodurch zusätzlicher Wohnraum entstanden ist, ein Haus, das für die Kinder neu in den Garten gebaut wurde, ältere Menschen, die ihr Haus an eine junge Familie weitergegeben haben und selber in eine kleinere Wohnung gezogen sind oder eine Gemeinde, die einen solchen Prozess angestoßen hat. Sie kennen ein passendes Projekt? Dann bitte unter www.eza-allgaeu.de/wohnraum-gschafft  melden. Für die Besitzer eines Projekts, über das wir berichten, gibt es eine kleine Aufwandsentschädigung.

 

Maßnahmen

Das Mehrfamilienhaus mit ursprünglichem Baujahr von vor 1880 wurde zum Effizienzhaus 55 saniert.  Es entstanden 3 Wohneinheiten mit insgesamt  398 m² Wohnfläche. Die Wände im EG, OG 1 und 2 wurden mit 12 cm Zellulose  plus 6 cm Holzweichfaserplatten gedämmt und mit Holzschindeln gedeckt. Im Erdgeschoß wurden die Außenwände verputzt. 

Die Wände im Dachgeschoß wurden mit 24 cm Zellulosedämmung und 6 cm starken Holzweichfaserplatten versehen. Als Abschluß wurde wieder holzgeschindelt.

Der Sichtdachstuhl wurde mit einer 16 cm starken PU-Dämmung gedämmt. Die Bodenplatte erhielt eine 10 cm EPS-Dämmung. 

Es wurden Holzfenster mit 3-fach Verglasung verbaut. Die Heizung besteht aus einer Scheitholz-/Pelletsanlage mit Pufferspeicher und Frischwasserstation. Eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sorgt neben dem Lehmputz innen für ein gesundes und frisches Raumklima.

Das sagt Dieter Herz vom beauftragten Planungsbüro Herz & Lang:

„Das Beispiel zeigt, dass man mit Sachverstand aus einem Altbau ein absolut zukunftsfähiges Haus machen kann, das sich perfekt ins Umfeld einfügt.“

Technische Daten

Ht`= 0,30 W/(m²K)
Qp = 19 kWh/(m²a)
Qe = 70 kWh/ (m²a)
CO2 Emissionen: 0 kg/(m²a)
An = 549 m²
U-Wert Wand EG, OG 1, OG 2: 0,22 – 0,24 W/(m²K),  
U-Wert Wand DG: 0,14 W/(m²K)
U-Wert Dach: 0,15 W/(m²K) }U-Wert EG-Boden: 0,34 W/(m²K) }Uw-Fenster (Gesamt): 0,78 W/(m²K)

Projektdaten

Standort: 88178 Heimenkirch
Objekttyp: Mehrfamilienhaus
Baujahr: vor 1880
Sanierungszeitraum: 2018 - 2019
 

Hier finden Sie das Video auf Youtube zum Mehrgenerationenprojekt.

Folgende eza!-Partner waren an dem Projekt beteiligt: