Heizungsversteher und System-Checker
eza!-Heizungsversteher Rainer Moll vergleicht das Ganze mit einem Pilzgeflecht, das sich immer weiter ausbreitet. So in etwa müsse man sich das Heizsystem von manchen Gebäudekomplexen vorstellen, die stetig wachsen. Mit jedem Gebäudeteil, der dazukomme, werde das Leitungsnetz schwerer zu durchschauen. Mehr und mehr Pumpen, Ventile, Abzweige und Bypässe würden eingebaut, ohne dass irgendjemand noch den Überblick über das große Ganze habe und ohne dass jemals ein exakter hydraulischer Abgleich vorgenommen worden sei. Letzterer sorgt bekanntlich dafür, dass jeder Wärmeverbraucher im Gebäude genauso viel warmes Heizungswasser bekommt, wie er tatsächlich benötigt.
Ineffizientes System
Bis zu einem gewissen Punkt funktioniert laut Moll ein solcher „Heizungskrake“ einigermaßen zuverlässig – sprich die Räume werden warm. Allerdings arbeitet ein solches System ineffizient, der Energieverbrauch ist hoch. Was auch daran liegt, dass sehr viel warmes Heizungswasser in den Leitungen zirkuliert, das in vielen Bereichen gar nicht benötigt wird – mit starken Wärmeverteilverlusten als Folge. Bei weiteren Anbauten kommt das System dann irgendwann an seine Grenzen, so Molls Erfahrung. „Die stärkeren Pumpen entziehen den schwächeren Pumpen das Heizungswasser“, erklärt der Fachmann. Was dazu führt, dass bestimmte Räume nicht mehr ausreichend mit Wärme versorgt werden.
Experte hat kapituliert
Moll kennt zahlreiche Beispiele für solch hochkomplexe Leitungssysteme. Erst jüngst verschaffte er sich in einem Hotel im südlichen Oberallgäu einen ersten Überblick über das dortige weitverzweigte Leitungssystem. Eine genauere Analyse soll folgen. Ein Ingenieurbüro war bereits vor ein paar Jahren damit beauftragt worden. Die Hydraulik sei hochgradig ineffizient, lautete die Einschätzung des dafür hinzugezogenen Hydraulik-Fachmanns. Allerdings kapitulierte dieser recht bald vor der Mammut-Aufgabe und weigerte sich, den Auftrag weiter auszuführen. Das Leitungssystem sei zu komplex, lautete die Begründung.
Bis zu 30 Prozent Einsparung
Rainer Moll und Patrick Fischer, der zweite Heizungsversteher im eza!-Team, werden sich durcharbeiten – obwohl das System inzwischen noch komplexer geworden ist. Die ersten Punkte, an denen hydraulikschädliche Komponenten verbaut worden sind, sind bereits identifiziert. Diese können mit vergleichsweise geringem Aufwand optimiert werden. „Das sind lauter kleine Einzelmaßnahmen“, sagt Moll. „Werden alle Schwachpunkte im Leitungsnetz korrigiert, ließe sich der Energieverbrauch im Hotel um rund 30 Prozent senken“, so seine Einschätzung. Und nachdem die Kosten für die Wärmeerzeugung bei einem Hotel erheblich sind, schlagen deutliche Einsparungen in diesem Bereich ganz erheblich zu Buche.
Tipp der Heizungsversteher
Unabhängig davon lautet die dringende Empfehlung der eza!-Heizungsversteher: Bei einer Anlagenerweiterung sollte das Bestandssystem unbedingt begleitend hydraulisch abgeglichen und optimiert werden!





