Modernes Wohnen in der ehemaligen Scheune
Serie „Wohnraum gschafft“: Ein gemeinsamer Kraftakt ermöglicht das Zusammenleben von Jung und Alt auf einem ehemaligen Bauernhof.
Wohnen in der alten Scheune? Dafür fehlte Sandra Guggemos einfach die Vorstellungskraft, als sie ihr Mann Werner vor ein paar Jahren mit der Vision überraschte, im vormals landwirtschaftlich genutzten Teil des Anwesens könnte doch man zwei oder drei schöne große Wohnungen unterbringen. Heute sagt die 53-Jährige, dass das einfach eine großartige Idee war und sich die Umsetzung auf jeden Fall viel gelohnt hat – auch wenn dafür eine echte Energieleistung nötig gewesen ist. Ihre Eltern und die inzwischen erwachsenen Kinder in unmittelbarer Nähe zu haben, empfindet die Bankangestellte als großes Glück, das erst durch die Wohnraumerweiterung Realität hat werden können.
Werner Guggemos hatte den herrlich gelegen Hof südlich der Ostallgäuer Gemeinde Hopferau mit Blick in die Füssener Berge von seinem Onkel übernommen. Irgendwann kam ihm die Idee, die leerstehende Scheune in ein zusätzliches Wohnhaus zu verwandeln – damit im alten Wohnteil des Hofs Platz für die Kinder frei würde, die seine Frau Sandra in die Ehe brachte und die sonst früher oder später ausgezogen wären. Und um einen Alterswohnsitz für seine Schwiegereltern zu schaffen.
Letztere lebten 45 Jahre lang in ihrer Doppelhaushälfte in Lauben bei Kempten. Der Gedanke, ihr Haus dort zu verkaufen und ins Ostallgäu zu ziehen, war Berta und Walter Hägele anfangs fremd. Es doch zu tun, erwies sich aber als absolut richtige Entscheidung, versichern die beiden heute. „Wir fühlen uns hier einfach gut aufgehoben“, sagt Berta Hägele. „Es ist immer jemand da, wenn man mal Hilfe braucht“


Auch die Enkelkinder Sonja (25) und Marcel (22) haben es noch keine Minute bereut, das Gemeinschaftsprojekt Scheunenausbau in Angriff genommen zu haben – um bei der Familie bleiben zu können, statt sich auf die schwierige Wohnungssuche machen zu müssen. „Das hat alles nur verbessert. Es gibt nur Vorteile“, meint Sonja. „Jeder hat seinen eigenen Bereich“, fügt ihr Bruder Marcel hinzu. „Wenn man will, trifft man aufeinander – und wenn man seine Ruhe haben will, dann hat man seine Ruhe.“
Die Umbauphase war allerdings schon richtig anstrengend, sind sich alle einig. Im neuen Wohnraum steckt sehr viel Eigenleistung. Sandra Guggemos hatte ihre Kinder schon vorgewarnt: „Wenn wir das anpacken, dann bedeutet das mindestens zwei Jahre volle Arbeit – jedes Wochenende, jede freie Minute.“ Sonja und Marcel ließen sich davon aber nicht abschrecken. „Wir haben das dann gemeinsam durchgezogen und auch wahnsinnig viel dabei gelernt“, findet Marcel rückblickend.
Profitiert haben dabei alle vom Know-how und den Umbauerfahrungen, aber auch von den guten Kontakten zu örtlichen Handwerksfirmen, die Werner Guggemos im Rahmen seiner Hausmeistertätigkeit für einen Allgäuer Immobilienunternehmer reichlich gesammelt hat. Eine hochwertige Holzfaser-Dämmung für Dach und Fassade, dreifachverglaste Fenster, Fußbodenheizung und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach – bei der Wohnraumerweiterung sei auf zukunftsfähige und qualitativ hochwertig Lösungen geachtet worden, betont Werner Guggemos. Für einen dauerhaft niedrigen Energieverbrauch und einen hohen Wohnkomfort.
Herausgekommen sind am Ende drei moderne und großzügig geschnittene Wohnungen, die nicht einmal ansatzweise erahnen lassen, dass an selber Stelle früher einmal der Heustock untergebracht war. Die Eltern von Sandra Guggemos sind ins Erdgeschoss eingezogen, sie und ihr Mann darüber. Beide Wohnungen sind barrierefrei und damit altersgerecht. Die Wohnung unter dem Dach soll an Feriengäste vermietet werden, sobald der Innenausbau abgeschlossen ist. „Ein bisschen was gibt es schon noch zu tun“, sagt Werner Guggemos und lächelt dabei. Auch das wird die Familie Guggemos gemeinsam schaffen.
Förderung
Die Aktion "Wohnraum gschafft" ist Teil des Projekts BONUS Wohnraum und wird gefördert durch das INTERREG Programm Bayern-Österreich 2021-2027 - Programm der Europäischen Union.



















