Stromspeicher auf vier Rädern
40 bis 105 Kilowattstunden – so viel Strom ist in vollen Batterien moderner Elektroautos gespeichert. Da mutet die Kapazität klassischer Hausspeicher mit zehn Kilowattstunden eher bescheiden an. Angesichts der Millionen von Fahrzeugen, die die meiste Zeit ohnehin nur herumstehen, sehen Fachleute in E-Autos ein riesiges Speicherpotenzial für die Zukunft. So langsam werden in Deutschland auch die technischen und regulatorischen Weichen dafür gestellt.
Strom fließt in beide Richtungen
Beim bidirektionalen Laden kann der Strom in beide Richtungen fließen. Beim Laden wird wie gewohnt die Fahrzeugbatterie mit Strom aus dem öffentlichen Netz oder einer Photovoltaikanlage gefüllt. Wird später Energie benötigt, übernimmt eine bidirektionale Wallbox den umgekehrten Prozess und macht aus dem gespeicherten Gleichstrom wieder nutzbaren Wechselstrom.
Energie fürs Hausnetz
Die beiden wichtigsten Formen des bidirektionalen Ladens sind Vehicle-to-Home (V2H) und Vehicle-to-Grid (V2G). Bei der Variante Vehicle-to-Home gibt das an die Wallbox angeschlossene E-Auto die Energie ans Hausnetz ab – was insbesondere für Hausbesitzer mit Photovoltaikanlage interessant ist. Produziert diese mehr Solarstrom als im Haus verbraucht wird, kann mit überschüssiger Energie der Auto-Akku geladen werden. Liefert die Anlage keinen oder zu wenig Strom für den aktuellen Bedarf, fließt der vorher geladene Strom ins Hausnetz zurück.
Beitrag zur Stabilisierung der Stromnetze
Vehicle-to-Grid meint das Einspeisen des Stroms aus der E-Auto-Batterie ins öffentliche Stromnetz. Durch eine intelligente Steuerung können die angeschlossenen E-Autos, die in ihrer Masse ein gewaltiges Speicherpotenzial bieten, zur Stabilisierung der Energieversorgung beitragen. Bedarfsspitzen, aber auch Erzeugungsspitzen, wenn zu viel Solar- oder Windenergie vorhanden sind, ließen sich dadurch kappen. Das würde die Stromnetze entlasten. Gleichzeitig würden E-Autobesitzer Geld dafür erhalten, dass sie ihren Autospeicher zur Verfügung stellen.
Erste Bidi-Wallboxen auf dem Markt
Mittlerweile sind inzwischen bereits einige Fahrzeuge auf der Straße, die bidirektional laden können und es gibt auch erste dafür geeignete Wallboxen. Bis bidirektionales Laden hierzulande in großem Stil zum Einsatz kommt, wird es allerdings noch dauern.
Lukrativ für E-Autobesitzer
Immerhin wollen BMW und E.ON im Frühjahr 2026 mit einem gemeinsamen Angebot zum bidirektionalen Laden starten. Dieses gilt nur für das iX3-Modell und funktioniert über einen speziellen Stromtarif, bei dem Kunden für die Bereitstellung ihrer Batterie eine Vergütung erhalten. So gibt es 24 Cent

für jede Stunde, in der das Auto angeschlossen ist, maximal 720 Euro im Jahr. Zudem wird jede zurückgespeiste Kilowattstunde vergütet. Damit könnten sich die deutlich höheren Kosten für die nötige BMW-Wallbox bereits in wenigen Jahren amortisiert haben. Auch andere deutsche Autohersteller beschäftigen sich mit dem Thema. So will VW jetzt in einem Pilotprojekt Erfahrungen mit dem bidirektionalen Laden sammeln. Mercedes hat angekündigt, dass die E-Fahrzeuge der nächsten Generation ebenfalls bidirektionales Laden unterstützen werden.
Wichtigs Signal seitens der Politik
In Frankreich ist man schon ein Stück weiter. Dort erhalten Besitzer des neuen Renault 5 mit passendem Vertrag elf Cent pro Stunde, wenn sie ihr E-Auto über einer speziellen Wallbox mit dem Stromnetz verbinden. Im Lauf des kommenden Jahres soll das für deutsche Besitzer des elektrischen Renault 5 ebenfalls möglich sein – was auch daran liegt, dass die Politik jüngst der doppelten Besteuerung ein Ende gemacht hat: Netzentgelte und Stromsteuer entfallen künftig bei der Zwischenspeicherung im E-Auto, was bidirektionales Laden für alle Seiten lukrativer macht. Problem bereitet hingegen der in Deutschland weiterhin schleppend voranschreitende Einbau intelligenter Stromzähler.
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