Allgäu
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Nichtwohngebäude Neubau, Sanierung, Anlagentechnik

Neubau eines Wertstoffdepots und Wertstoff-Servicepunkts in Augsburg

Flexibilität und Zukunftsfähigkeit sowohl in der Aufstellung der Container wie auch in der Nutzung der Hallen waren einer der zentralen Ansätze, gepaart mit Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in der Umsetzung.

alle Fotos: © Foto Eckhart Matthäus | www.em-foto.de | m2s.architekten
alle Fotos: © Foto Eckhart Matthäus | www.em-foto.de | m2s.architekten

Das Projekt

Durch den Neubau des Wertstoff- und Servicepunkts Unterer Talweg in Augsburg wird zukünftig der südliche Stadtbereich versorgt. Die Standortwahl fiel auf ein noch verfügbares und gut erreichbares ca. 18.500 m² großes Grundstück im Gewerbegebiet Haunstetten, auf dem die Nutzungen Wertstoffhof und Straßenmeisterei gut erreichbar untergebracht wurden.

Die Abläufe auf dem Wertstoffhof sind neben den Aspekten der Mitarbeiter- und Kundenfreundlichkeit auch unter der Thematik der Inklusion nach den Erfordernissen der Zwangsläufigkeit und einer einfachen und selbsterklärenden Benutzung für die Benutzergruppen organisiert.

Flexibilität und Zukunftsfähigkeit sowohl in der Aufstellung der Container wie auch in der Nutzung der Hallen ist einer der zentralen Ansätze, gepaart mit Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in der Umsetzung.

Das Personalgebäude hat eine Nutzfläche von ca. 950 m², die Fahrzeug- und Lagerhallen sind ca. 2.900 m² groß.


Maßnahmen

Wesentlicher Ansatz ist die funktionale Entkopplung des öffentlichen Wertstoffhofes und der Straßenmeisterei. Auf dem östlich vorgelagerten Bereich ist mit einer großflächigen L-förmigen Überdachung der Wertstoffhof städtebaulich ins Gebiet vernetzt angeordnet, auf der rückwärtigen Grundstückshälfte befindet sich die Straßenmeisterei. Gebäude- und Freibereichsnutzung sind funktional ineinander verwoben.

Durch das Wertstoffhofdach und die Gebäudestellung ergeben sich zwei mäanderförmige Hofsituationen die jeweils mit einer Baumreihe räumlich geschlossen werden. Der westliche höhere Gebäuderiegel bildet mit den Nachbargebäuden eine städtebaulich Kante zur Bundesstraße. Das zentral angeordnete Personalgebäude dient im Erdgeschoss auch als Infopoint für den Wertstoffhof. Durch die Anordnung der Verwaltung im 1. OG wird Sichtverbindung in beide Höfe sichergestellt, der Aufenthaltsbereich des Personals im 2. OG weist mit der Dachterrasse einen geschützten Außenraum für die Mitarbeiter auf.

Bereits mit der Auslobung der Architektenleistung forderte der Bauherr ein hohes Maß an Flexibilität, Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit ein. So ist sowohl durch verschiebbare Ladestege die Anzahl der Container anpassungsfähig wie auch durch die Erschließung der Hallen deren Nutzung variabel. Das Personalgebäude ist als Holz-Stahlbetonhybridbau im Plusenergiehausstandard errichtet, die Energieversorgung erfolgt über eine Wärmepumpe mit Erdkörben gespeist von der eigenen Photovoltaik-Anlage mit 97 kWp. Durch die Betonkernaktivierung zur Beheizung und Kühlung dient das Gebäude auch als energetischer Speicher. Die Lager- und Fahrzeughallen werden lediglich frostfrei gehalten bzw. sind unbeheizt.

Wo sinnvoll möglich wurde Holz als Baustoff eingesetzt und auf Stahlbeton z. B. in den Bodenplatten der Hallen verzichtet. Insgesamt konnte so mit heute auf dem Markt verfügbaren Materialien durch das geschickte Kombinieren der jeweiligen Stärken ein nachhaltiges Projekt realisiert werden.

Ziel der Außenanlagengestaltung war den Grünanteil hoch zu halten. Die Grüninseln dienen u.a. der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung, der Wärmeversorgung (verbaute Erdwärmekörbe), als Mitarbeiterstellplätze, zur Besucherlenkung u. wirken v.a. der innerstädtischen Überhitzung entgegen. Die Höhenlage des Grundstücks wurde über ein Geländemodell so berechnet, dass kein überschüssiges Aushubmaterial entsorgt werden musste, sondern dieses vor Ort wiedereingebaut werden konnte. Auf den Auftrag v. Oberboden wurde bewusst verzichtet, um Wiesenflächen mit hoher Biodiversität zu schaffen. Freiwachsende Hecken aus heimischen Wildsträuchern ergänzen dies. Die Flachdächer wurden begrünt. Das Regenwasser vom Dach des Wertstoffhofes wird in einer Zisterne mit ca. 150m³ Größe gesammelt u. dient u.a. der städt. Grünflächenbewässerung. Eingesetzt wurden umweltfreundliche Materialien, wie das versickerungsfähige Betonsteinpflaster mit schadstoffrückhaltendem Fugenmaterial zur Regenwasserfilterung.


Ergebnisse

  • Personalgebäude in Passivhausstandard, realisiert mit Nachweis über thermische Gebäudesimulation ist Plus-Energiehausstandard
  • KfW-Effizienzgebäude 55 nach EnEV-Nachweis
  • solarerzeugter Eigenstrom (PV-Anlage mit 97 kWp) für Wärmepumpe mit Erdreich bzw. Grundwasser als Wärmequelle, Pufferspeicher mit 2 x 1.500 l zwischengeschaltet, Speisung der Ladestationen für e-Mobilität; mit Speicherung (noch nicht realisiert) Eigenstromanteil 68 %
  • Heizung und Kühlung des Personalgebäudes über Betonkernaktivierung der massiven Decken
  • Frostfreihaltung der Hallen über thermische Bauteilaktivierung der massiven Trennwände
  • Vermiedene CO2 Emissionen: 59.000 kg/a

Technische Daten

WB1 Detail 06 Attika über 2.OG = f-Wert: 0,71
WB1 Detail 06 Attika über 2.OG - ohne Innendämmung = f-Wert: 0,72
WB2 Detail 08 Deckenuntersicht Eingangsbereich = f-Wert: 0,72
WB3 Detail 11 Horizontalschnitt PR-Fassade = f-Wert: 0,72
WB4 Detail 15 Vertikalschnitt PR-Fassade Dachterrasse = f-Wert: 0,76
WB5 Detail 18 Horizontalschnitt (PR-)Fassade 2.OG/Dachterrasse = f-Wert: 0,72
WB6 Detail 20 Vertikalschnitt Infopoint = f-Wert: 0,85
WB7 Detail 26 Stützenanschluss Fenster = f-Wert: 0,78
WB8 Detail 27 Stützenanschluss Fenster = f-Wert: 0,74
WB9 Detail Fensteranschluss Besprechungsraum = f-Wert: 0,74

Projektdaten

Standort:
Unterer Talweg 89, 86179 Augsburg
Objekttyp: Wertstoff- und Servicepunkt
Baujahr: 2018-2020
Investitionskosten: 7.860.000,- € Bauvolumen (Kostengruppe 300 + 400, brutto)

alle Fotos: © Foto Eckhart Matthäus | www.em-foto.de | m2s.architekten

 

 

Folgende eza!-Partner waren an dem Projekt beteiligt: